Kinder müssen schwimmen lernen

Tipps zum Schwimmen lernen Kinder

Kind schwimmen lernen
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Mindestens jeder zweite Grundschüler in Deutschland kann nicht richtig schwimmen. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Forsa-Umfrage im Auftrag der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG). Schuld daran, tragen nicht nur die Schulen. Auch Eltern können etwas dafür tun, damit ihre Kinder schwimmen lernen.

Ein Tag im Freibad mit Eis und Sonne – Was für die Einen nach einem perfekten Tag klingt, bedeutet für Andere einen Albtraum. Denn wer nicht schwimmen kann, dem ist das häufig peinlich und sollte er oder sie nicht dazu stehen können, wird es sogar gefährlich. Schade ist vor allem auch, dass einem so eine besonders gesunde und gelenkschonende Möglichkeit verwehrt bleibt, sich sportlich zu betätigen und gleichzeitig Spaß zu haben.

Schockiert davon, dass nur noch 40 Prozent der Sechs- bis Zehnjährigen ein Jugendschwimmabzeichen besitzen, ist auch die Welt- und Europameisterin Franziska van Almsick. Sie setzt sich aktuell dafür ein, dass Kinder wie Erwachsene, Schwimmen lernen. Sie wünscht sich von der Politik Regelungen, die die strengere Durchsetzung vom Schwimmunterricht ab der ersten Klasse ermöglichen. Dem sollte eigentlich bereits so sein, doch tatsächlich wird Schwimmen meist erst ab der dritten Klasse unterrichtet.

Schwimmen lernen für Kinder nicht mehr selbstverständlich

20 bis 25 Prozent aller Grundschulen bieten keinen Schwimmunterricht mehr an

Auch DLRG-Präsident Haag macht das Sorgen, insbesondere in Anbetracht der DLRG Statistik zu den Ertrinkendenzahlen. Demnach sind Kinder besonders vom Ertrinken betroffen. 2019 kamen 17 Kinder im Vorschul- und 8 Kinder im Grundschulalter im Wasser ums Leben. In diesem Zusammenhang kritisiert die DLRG die sich weiter verschlechternden Rahmenbedingungen für die Schwimmausbildung: Immer mehr Bäder in Deutschland müssen schließen. Deshalb bieten 20 bis 25 Prozent aller Grundschulen keinen Schwimmunterricht mehr an, weil ihnen kein Bad zur Verfügung steht. Dabei wollen, laut Haag, 85 Prozent der Menschen ihr Bad behalten: „Das ist die große Mehrheit. Darauf sollte die Politik hören.“

In ihrer Aufklärungskampagne „Sicheres Schwimmen“ fordert die DLRG Lehrkräfte, Schwimmtrainer, aber auch Eltern auf, ihren gesellschaftlichen Auftrag, den Kindern das Schwimmen zu lehren, ernst zu nehmen. Viele Eltern fühlen sich damit überfordert, dabei gibt es gute Tipps, um sein Kind beim Schwimmen lernen zu unterstützen.  

  • Gewöhne dein Kind frühzeitig an Wasser

Vertrautes macht uns weniger Angst. Eltern sollten deshalb mit ihren Kindern möglichst früh viel Zeit im Wasser verbringen. Ob zu Hause in der Badewanne, im Plantsch- oder Nichtschwimmerbecken. Ein Tipp: Mach deinem Kind dabei die Eigenschaften des Wassers klar: Man kann darin untergehen, aber genauso kann das Wasser auch tragen. Mit etwa fünf Jahren sind Kinder dann alt genug, um schwimmen zu lernen und dadurch vor dem Ertrinken geschützt zu sein. Wann genau, hängt von der individuellen motorischen Entwicklung ab.

  • Schwimmen soll Spaß machen

Planschen und Herumtollen ist bestens geeignet, um sich an Wasser zu gewöhnen und mit Spaß lernt es sich schließlich leichter. Bringe unbedingt Geduld mit und versuche, individuell auf dein Kind einzugehen. Denn Kinder sind sehr unterschiedlich: Die einen sind Draufgänger im Wasser, die anderen schüchtern. Regelmäßigkeit wird helfen.

  • Für den Anfang: Kraulbeinschlag (Sprudelbeine) und Brustarmzug (Pfeilarme)

Experten sind sich nicht einig, ob Kinder erst Brust-, Kraul-, Rückenschwimmen oder lieber eine Mischung verschiedener Schwimmtechniken lernen sollten. Die Bewegung des Kraulschwimmens ist am einfachsten, jedoch macht die Atmung Probleme. Beim Brustschwimmen lässt es sich wiederum gut atmen, aber der Beinschlag ist schwierig. Das Rückenschwimmen fällt leicht und sollte zur Motivation zwischendurch immer wieder eingebaut werden.

  • Nutze Schwimmhilfen, aber in Maßen

Schwimmflügel und Co. eignen sich für das Spiel im Wasser, wenn Kinder noch nicht schwimmen können. Wobei sie auch hier unbedingt unter Aufsicht stehen sollten! Damit dein Kind nicht vergisst, dass es im Wasser eigentlich nicht von allein oben bleibt, sollten Schwimmhilfen aber auch immer wieder abgenommen werden. Zum Schwimmenlernen eigenen sich diese Schwimmhilfen somit weniger. Besonders gut sind Schwimmnudeln und ein Schwimmbrett, da sie die Wasserlage am wenigsten beeinflussen. Diese Hilfsmittel sind allerdings für etwas ältere Kinder gedacht, nicht für Kleinkinder und Babys.

  • Erst Tauchen, dann springen

Die Stück für Stück Gewöhnung funktioniert gut, indem man sein Kind erst vorsichtig daran gewöhnt, unter Wasser zu sein und dann immer weiter geht. Zu Beginn reicht es mit dem Mund ins Wasser zu blubbern. Später kann man das Gesicht dabei immer tiefer nehmen. Wichtig: nicht die Nase zuhalten. Die Arme brauchen wir irgendwann für die Schwimmbewegung. Wer keine Angst mehr vor Wasser im Gesicht hat, kann anfangen das Springen zu üben. Zunächst vielleicht mit einer Schwimmnudel unter dem Arm oder aus dem Sitzen vom Beckenrand in Mamas oder Papas Arme fallen lassen.

  • Die richtige Schwimmlage finden

Die größte Herausforderung beim Schwimmenlernen ist es, die richtige Wasserlage zu finden. Kinder hängen oft mit Kopf oben und Füßen unten im Wasser. Wenn ihr die flache Wasserlage üben wollt, könnt ihr euch z.B. ohne Schwimmhilfe am Beckenrand festhalten oder auf einer Treppe hinsetzen und dann mit beiden Beinen abstoßen. Ein Elternteil wartet nur wenige Schritte entfernt und das Kind kann in dessen Arme gleiten. Den Abstand dann immer größer werden lassen.

  • Und was machen Arme und Beine?

Um den Beinschlag zu üben, kann das Kind sich z.B. auf die Schwimmnudel und erstmal versuchen.  Das kann man auch am Beckenrand üben. Wichtig dabei ist, dass wir lange Beine machen und sie geradehalten, kein Unterwasser-Radfahren. Auch der Armzug kann mithilfe der Schwimmnudel geübt werden. Rauflegen, Hände vor der Brust zum Pfeil zusammenlegen, nach vorn schieben, bei gestreckten Armen Daumen nach unten drehen und das Wasser in einem großen Kreis mit den Handflächen nach hinten schieben. Der Armzug hilft nicht nur den Beinen beim Vortrieb, sondern hält auch den Kopf zum atmen über Wasser.

  • Schwimmkurse

Wer sich nicht sicher dabei fühlt, seinem Kind selbst das Schwimmen beizubringen, aber gleichzeitig von schulischer Seite aus keine Unterstützung erfährt, der kann auf Schwimmkurse zurückgreifen. Den Einstieg in den Seepferdchen Schwimmkurs empfehlen Schwimmschulen ab einem Alter von 3,5 bis 4 Jahren. Schimmbäder können Auskunft geben und meistens werden Probestunden angeboten.

Wenn Kinder sich erstmal im Wasser wohlfühlen dauert es vielleicht nicht mehr lang und sie werden zu waschechten Wasserratten. Kommen sie dann noch stolz mit dem Seepferdchen-Abzeichen nach Hause ist die Motivation geweckt und langen, unbeschwerten Tagen am Strand steht nichts im Weg.

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